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liebe sabine. du bist doch gar keine sabine. du bist doch
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Stück-Entdeckungen der nachtkritik-AutorInnen aus dem letzten Dramenjahr

Das Prunkstück

5. Mai 2009. Wo ist das achte Stück?, fragten wir, als die Mülheim-Auswahl bekannt gegeben wurde. Gab es nicht mehr Beachtliches im aktuellen Dramenjahrgang? Wir haben diese Frage weitergereicht ins große Rund des über vierzigköpfigen KorrespondentInnen-Stamms von nachtkritik.de, der im gesamten deutschsprachigen Raum verteilt ist.

Wir fragten von Hamburg bis nach Wien und von Essen bis nach Dresden: Was war für euch, jenseits der nach Mülheim eingeladenen Stücke, im letzten Jahr das spannendste, bemerkenswerteste, herausragendste Stück, das ihr gelesen oder gesehen habt? Welches Stück hätte das Zeug gehabt, den Sprung an die Ruhr zu schaffen? Wer könnte den freien achten Platz füllen?

Viele Nachtkritiker haben leise den Kopf geschüttelt: Keine Dramen-Entdeckung in diesem Jahr. Ganz Gutes vielleicht (Jan Neumanns "Königs Moment", Händl Klaus' "Furcht und Zittern", Roland Schimmelpfennigs "Idomeneus"), aber nicht Herausragendes. Spannende Romanbearbeitungen (Koen Tachelets "Hiob"-Version nach Joseph Roth, die Adaption von Uwe Timms Roman "Halbschatten" durch Johannes Kaetzler und Gerhard Seidel), allerdings keine originären Theatertexte. Überzeugend innerhalb der Inszenierung, nicht aber auf sich allein gestellt (René Polleschs "Ping pong d'amour" ohne Martin Wuttke?).

Dem einen oder anderen hat aber doch ein Text auf der Kritikerseele gebrannt, der zwischen dem 10. März 2008 und dem 13. März 2009 – die Frist für potentielle Mülheim-Kandidaten – uraufgeführt wurde. Zusammen gekommen sind sechs Stücke, die wir, jedes für sich genommen, für beachtenswert halten. Nämlich diese hier:

Thomas Freyer

Und in den Nächten liegen wir stumm

Uraufführung am 7. November 2008 am Schauspiel Hannover
Regie: Tilmann Köhler

Jenseits der Textflächen gelingt Freyers beunruhigend realer, wie getriebener Sprache mit lebendig-unverwechselbaren Spiel-Figuren die Vivisektion einiger ziemlich konkreter Alltagsalpträume unter jungen, ruhe-, rast- und hoffnungslosen Menschen. Gerade keine Kinder mehr, stehen sie schon immer kurz vor der Katastrophe. Und manchmal mittendrin. (Michael Laages)

Simon Froehling

Feindmaterie

Uraufführung am 30. April 2008 am Theater Biel-Solothurn
Regie: Jan Philipp Gloger

Ein tolles Stück, eine verunsichernde, beunruhigende Spirale der ambivalenten Wahrnehmungen. Das geht bis an die Grenzen der Kommunikationsmöglichkeit und ist umgekehrt seinerseits sprachlich herausragend schön. Auch die Inszenierung von Jan Philipp Gloger, die das Publikum sehr direkt in die Pflicht nimmt, hat mir sehr gut gefallen. Klug und schön! (Andreas Klaeui)

David Gieselmann

Die Tauben
Uraufführung am 6. März 2009 an der Schaubühne am Lehniner Platz
Regie: Marius von Mayenburg

Echte Komödien haben es vor den gestrengen Augen eines Fachpublikums im deutschsprachigen Raum nicht leicht. Das zeigte sich im letzten Jahr etwa an Theresia Walsers "Morgen in Katar", das – von einer ungenau gearbeiteten Inszenierung unter Wert präsentiert – in Mülheim glatt durchfiel. In diesem Jahr hätte der Jury eine – wie die FAZ schrieb – "federleichte Revue exquisiter Identitätskrisen" ins Auge fallen können: David Gieselmanns "Die Tauben". Aber vielleicht ist dieses Stück einfach zu lustig. (Wolfgang Behrens)

Anne Habermehl
Letztes Territorium
Uraufführung vom 18. November 2008 am Thalia Theater Hamburg
Regie: Corinna Sommerhäuser

"Letztes Territorium" ist vor allem ein Stück über den Ausverkauf der Sprache. Es ist auch ein Stück über: Rassismus, Klischees, Vorurteile. Es ist nicht einfach ein Stück über ein Sprechen, das sich durch Wort- und Begriffswahl als rassistisch, klischeehaft und vorurteilshaft beladen verrät. Es ist eines, das davon handelt, dass die Figuren nicht Herr ihrer Sprache, ihres Denkens und Fühlen sind. Es ist eines über Menschen, die sich als aufgeklärt begreifen, aber von ihrer (notwendigen?) Unaufgeklärtheit eingeholt werden. (Dirk Pilz)

Dirk Laucke

Wir sind immer oben

Uraufführung am 14. September 2008 am Schauspiel Essen
Regie: Henning Bock

Laucke hat einen eindringlichen Soundtrack über die Welt in den Hinterhöfen der Plattenbausiedlungen geschrieben: punkig, abgerockt und doch poetisch. Sein realistisches Sozialdrama ist ehrlich, aber nicht vorwurfsvoll, wenig optimistisch, aber auch humorvoll. Eine kraftvolle Mischung aus authentischem Milieuslang und artifiziellen Kniffen. (Sarah Heppekausen)

Claudius Lünstedt

Krieger im Gelee

Uraufführung am 13. Dezember 2008 am Schauspielhaus Wien
Regie: Daniela Kranz

Drei beunruhigende Blöcke Bewusstseinsstrom inklusive Satzteil- und Interpunktionsverschluckung. Die sich auflösende Syntax spiegelt das Auseinanderfallen der Figuren-Lebensentwürfe. Ein Monolog-Triptychon, das in seiner Nähe zur Prosa das Theater herausfordert und multiperspektivisch, ohne zu werten, drei Figuren mit sich steigernder Sogkraft die sie verbindende Ungeheuerlichkeit schildern lässt. (Anne Peter)

Hier geht's zur Auswahl der für den diesjährigen Mülheimer Dramatikerpreis nominierten Stücke.

Kommentare (3)

06. Mai 2009, 02:05
lieber karl: gut zu wissen
gut zu wissen, wer es nicht geschafft hat. danke nach-kritik.
08. Mai 2009, 00:05
rudi: mülheim: "das achte stück"
dass das achte stück fehlt, hat vermutlich nur finanzielle gründe. die aufwendige inszenierung von "hier und jetzt" nach mülheim zu holen, ist sehr teuer (miete einer fabrikhalle!). Da musste das achte stück eben geopfert werden.
08. Mai 2009, 00:05
rudi: die auswahl der stücke
ich finde die kritik berechtigt und frage mich, warum es der jury diesmal so an courage gefehlt hat. nicht ein einziger neuer dabei! einfach langweilig! die einladung des lutz-hübner-stücks ist bloß eine reaktion auf die bemerkung von wilfried schulz bei der der jury-sitzung ("wir benötigen auch gebrauchs-stücke"). offenbar hatte man vergessen, dass die acht BESTEN(!!!) stücke der saison eingeladen werden sollen. Es kann nicht darum gehen, das lebenswerk von verdienten autoren der oberen mittelklasse zu würdigen (hübner ist nicht der einzige, für den das zutrifft). auch das wäre berechtigt, aber bitte, bitte auf einem andren festival, und nicht in mülheim. so setzt mülheim seinen ruf aufs spiel! bitte kein "soft curating" mehr, sondern einen harten avantgarde-kurs fahren

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