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Das Helmi – Berliner Kultpuppenspieler machen mit "Let's talk about sex" Aufklärungstheater

"Let's talk about sex" – Kinderstimmen und Kritik

Dennis, 11 Jahre:
Mir hat gefallen, wo dieser Bill, oder wie er hieß, zu der Rapperin meinte, dass er mal ein bisschen rammeln will. Das Stück war richtig gut, da kann man auch was lernen: Wenn man will, muss man vorher Kondome nehmen.

Kevin, 9 Jahre:kinderzelt-iii
Ich fand den Anfang mit dem Pippimann ganz lustig, als der ganz steif wurde. Aber das mit dem Kondom habe ich irgendwie nicht richtig verstanden. Wir haben gestern in der Schule mit Sexualkunde angefangen.

Bastian, 10 Jahre:
Ich fand das mit dem Käpt'n Pillermann am besten. Seine fette, lange Nase war cool.

Mike, 10 Jahre:
Ich fand es sehr langweilig. Ich dachte, wir werden über Sex aufgeklärt. Aber das ist nicht passiert, ich wusste schon alles.

Merviene, 10 Jahre:
Ich fand es nicht so gut, es war eklig. Besonders das Kondom. Wir haben in der Schule noch nicht über diese Themen geredet. Wir fangen das erst noch an.



Ein Turn mit Käpt'n Pillermann

von Anne Peter

29. Mai 2009. Am Ende wissen alle anwesenden Viertklässler, dass man beim Sex unbedingt Kondome benutzen sollte, damit man nicht schwanger oder krank wird. Das ist ja schon mal was. Ein "Aufklärungsstück" nennt die Berliner Puppenwitzspieltruppe DAS HELMI ihre lehrreiche Theaterstunde mit dem Titel "Let's talk about sex". Die Besetzung diesmal: Michelle Bray, Niklas Loycke und die Ur-Helmis Emir Tebatebai und Musiker Brian Morrow, die als sichtbare Puppenführer und Sprecher hinterm Spieltisch agieren. Angestoßen und produziert hat das Ganze übrigens Impulse-Boss Tom Stromberg.

Pummelige Bienen und sprechende Blumen (oder ist es eine Vulva?) klären zu Beginn anhand von splitternackten, busen- und penisbestückten Schaumstoffpuppen in gewohnt trashiger Aufmachung sowohl über Testosteron- und Östrogen-Auswirkungen als auch über "1-A-Erektionen" auf.

Tüte für Rüssel

Weil das Ganze in Draht und Schaumstoff gepackt ist, kommt es mit entsprechender Verfremdung daher. Und so kann man das Kindergemüt peinlich berührende und für Kicheranfälle prädestinierte Dinge tatsächlich recht charmant anschaulich machen, ohne in Realismus-Bedrängnis zu kommen. Wie könnte man schließlich die korrekte Anwendung einer "Lümmeltüte" plastischer vorführen als mit "Käpt'n Pillermann", einer Art skurrilem Flugelefanten, über dessen phallisches Rüsselteil man prima die Plastik-Verhütung stülpen kann?

Vor dem Kondom kommt natürlich das Kennenlernen und Sich-Näherkommen. Das wird in mehr oder minder unterhaltsame Paargeschichtchen verpackt: Die selbstbewusste Maike hat im Urlaub zum ersten Mal einen Jungen geküsst und erfahren, wie heiß einem davon werden kann; den großmauligen Bill findet sie zwar ganz süß, möchte von ihm aber nicht gleich grob befummelt werden; der passt schon besser zur stark Dialekt brabbelnden Mandy, die die "Ärzte" hört und gern einfach so rumknutscht. Susi hingegen ist schüchtern und verguckt sich in den ebenfalls schüchternen Friedemann, der sie vergeblich mit Bungee-Jumping zu beeindrucken versucht und erst – nach einem Zaunpfahlswink von Maike – mit einem romantischen Candle-Light-Abend zum ersten Kuss verführen kann. Das alles vermittelt vor allem, dass Trotteligkeit in Annäherungsdingen voll okay und jeder auf seine Weise normal ist.

Ladehemmung

Auch wenn sie bisweilen Stücke für Kinder entwickelt haben, Kult-Status erreichte die Berliner Gruppe nicht in erster Linie beim traditionell jungen Puppentheaterpublikum, sondern in der erwachsenen Theatergemeinde. Von "Ödipus" über "Schneewittchen" und "Leon, der Profi" bis zu Goethes "Faust" haben sie mit Hilfe der schrottigen Schaumstoff-Drahtwesen alle möglichen Literatur- und Filmgrößen durch den Knautschpuppen-Kakao gezogen. Und machen sich dabei meist mit bestgelaunter Respektlosigkeit, tempo- und anspielungsreich sowie Song-untermalt über das jeweilige Vorbild her.

Vieles davon müssen sie hier, ob des deutlich formulierten Aufklärungsauftrags inklusive Grundschultauglichkeit, aufgeben. Die Didaxe wirkt als Hemmschuh. Keine Helmi-Bissigkeit, sondern Bemühen um klare Botschaften. Es fehlt die Vorlage, der man mit unverschämtem Witz und Assoziationsreichtum zu Leibe rücken könnte. Und abholen tut man die jungen Zuschauer auch nicht immer, Vokabular und Musikauswahl sind wohl nur bedingt der angestrebten Lebenswirklichkeit des Zielpublikums abgelauscht: Welcher 10jährige kann heute wirklich was mit den "Ärzten", "The Clash" oder "Dirty Dancing" anfangen? Und interessiert in dem Alter wirklich, welches Hormon für die Schambehaarung sorgt? Die Fragen der Kinder sind, so zeigt nicht zuletzt das Nachgespräch, weit einfacher; und vielen fehlt schlicht der Wortschatz, um hier mitzukommen. Aber das mit den Kondomen, das kann man sich schön merken.

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