Letzte Kommentare

Presserundschau zur Jurydebatte und Preisvergab
ich hab die seite eben erst gefunden, weil ich an der uni
ruhrpod 6 – Hier und Jetzt
Gosch ist tot. Ich dachte hier kommt was. Oder ist die Sei
Presserundschau zur Jurydebatte und Preisvergab
Was soll das, "I thelen"? Das tut nichts zur Sache. Intere
Presserundschau zur Jurydebatte und Preisvergab
liebe sabine. du bist doch gar keine sabine. du bist doch
Presserundschau zur Jurydebatte und Preisvergab
was soll denn daran bedenkenswert sein? dass peymann sagt,
Presserundschau zur Jurydebatte und Preisvergab
Das sind doch bedenkenswerte Argumente von Claus Peymann,
Kommentar zur Jurydebatte um den 34. Mülheimer
Ja, das ist schade, daß Jelinek keine echte Konkurrenz hat
Kommentar zur Jurydebatte um den 34. Mülheimer
mäandern in Jelineks preigekröntem Stück "Rechnitz". Wie a

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. Drucken

Der shorty 4 – zu Elfriede Jelineks "Rechnitz (Der Würgeengel)"

Gurgeln mit Allerweltsfaschismen

von Christian Rakow

22. Mai 2009. Ihr Ruf war ihnen ja schon vorausgeeilt (schmerzlich vermisst beim Theatertreffen!). Und nun also kamen sie in Mülheim an, die fünf Meistersprecher aus München in der Regie von Jossi Wieler. Und sie kamen an! In ein Jagdschlossambiente hinein, mit Adolf-Eichmann-Kopfhörern an den Holzwänden, tänzeln sie zur Rampe. Im Zeitlupentempo zu vorabendshowmäßig aufgepeppten Freischütz-Melodien, winkend und grüßend. Ihre gute Laune haben sie sich wie Bräunungscreme ins Champagnerantlitz geschmiert. Als Boten kommen sie (André Jung, Hildegard Schmahl, Steven Scharf, Katja Bürkle und Hans Kremer), Bericht zu erstatten von einem Gefolgschaftstreffen samt Mord an 180 Zwangsarbeitern kurz vor Kriegsende.

"Einzig still ist das Grab", heißt es, und darüber können sie schier endlos reden. In einem Textungetüm voll Geschichtsverdrängung und Gegenwartsklitterung sprechen sie abwechselnd als Dienstboten, Altnazis, Zeugen und Teilnehmer des Massakers, Leugner jeder Schuld. "Es können nicht alle immer nur Opfer sein wollen. Wir brauchen auch Täter." Und während sie sich mal mit Ei und Pizza, mal mit Sachertorten voll stopfen, kosten sie jeden noch so unappetitlichen Kalauer der Jelinek wie eine bizarre Delikatesse.

"Wir teilen nicht, wir teilen aus". Die Smokings fallen; in Feinrippunterwäsche und Negliges räkeln sie sich. Dieser Swinger-Club der fiesen Denkungsart gurgelt seine Allerweltsfaschismen und spült mit musikalischer Leichtigkeit nach. "Oper? Nein, Opfer!" Die Wörter tröpfeln. "Wir haben heute doch eine kognitive Distanz zu dieser Zeit der Extreme gewonnen", sagt André Jung einmal mit dem Gestus eines Fernsehquartettphilosophen, "und diese Distanz sollten sie nicht einfach so im Casino des Denkens aufs Spiel setzten". Aber an diesem Abend haben sie die Kugel der Schreckenshistorie tatsächlich wild zum Rotieren gebracht.

Hier geht's zur Nachtkritik der Uraufführung an den Münchner Kammerspielen. Den Stücktext zu "Rechnitz (Der Würgeengel)" haben wir in der Stückkritik näher unter die Lupe genommen. Lesen Sie außerdem den Bericht zur Publikumsdiskussion.

 

Kommentare (0)

Kommentar schreiben

kleiner | groesser

busy