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liebe sabine. du bist doch gar keine sabine. du bist doch
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Das Stücke-Fest im Raffelbergpark – mit PeterLicht auf Fest und Festival geschaut

Die Schwerkraft ist überbewertet

von Christian Rakow

24. Mai 2009. Nach 21:30 Uhr, als sich das Tageslicht im Raffelbergpark langsam senkt und PeterLicht mit seiner Combo auf einer Freilichtbühne das Plätschern der großen Wasserfontäne im Teich dahinter überspielt, laufen plötzlich die Fäden des Stücke-Fests aufs Wunderbarste zusammen. Denn in jedem Lied dieses beredeten Pop-Poeten vermeint man die Stimmen dieses Fests noch einmal zu vernehmen, erhält man Antworten auf diesen Tag. "Bitte nie mehr Sexualität zeigen! Bedeckte Körper sind in Ordnung, Kleidung ist in Ordnung, liebe Theaterschaffende", bekundet Licht (manchmal augenzwinkernd, doch immer mit ernstem Gestus) zu den stets entspannten Klängen seiner Fender-Gitarren- und Keyboard-Arrangements.

Auch unbedeckte Körper sind in Ordnung

Dabei hatte sich doch noch eben der Theaterkritiker Peter Michalzik (Auswahlgremiumsmitglied für die Mülheimer Theatertage) mit einer Lesung aus seiner "Gebrauchsanweisung für das Theater" so stark gemacht gegen das Murren der Zuschauermajorität: "Die sind ja nackt!" Da hatte er in einer großen Liebeserklärung an das neuere Regie-Theater (insbesondere an Jürgen Gosch) so schön geklärt, dass Nacktheit auf der Bühne keineswegs Plumpheit bedeuten muss. Und keine halbe Stunde später katapultiert uns PeterLicht mit souveräner Ironie (oder doch unironisch?) wieder zurück in die Ebene, dorthin wo das stumpfe Vorurteil wohnt.

PeterLicht: "Hey, hey, meine Freunde vom leidenden Leben. Welches Stück wollen wir geben?" Viel Leiden steckt in der Welt der Dea Loher, die als letztjährige Gewinnerin des Mülheimer Dramatikerpreises einen der Höhepunkte des Festes versprach. Irritierenderweise trat sie auf einer kleinen Probebühne auf (mit etwa 50 Plätzen etwa ein Viertel so groß wie der Saal des Theaters an der Ruhr, in dem Michalzik las). Loher stellte mit "Hundskopf" eine Short Story vor, die sich durchaus programmatisch für ihre Kunst auffassen lässt. Denn es ist unter der Hand ein Text über das Schreiben. Da erhält ein abgehalfterter Kneipier, Richard, per Telefon den Auftrag, einen Bauunternehmer zu ermorden. Eine Verwechselung zwar, doch Richard findet Gefallen an dem Gedanken, zum Profi-Killer zu werden: Denn "unverhofft war ein Mensch aufgetaucht, der ihm etwas zutraute, etwas Besonderes".

Wo der Hund begraben liegt

Kurz bevor Richard allerdings seinen Auftrag ausführt, kommt ihm ein Hund in die Quere. Auf diesen feuert er das gesamte Magazin seiner schallgedämpften Pistole ab. Und jetzt wird's bedeutungsvoll: Richard zerfleddert die Leiche, nimmt den Hundskopf mit nach Hause, kocht ihn aus und platziert den Schädel auf seinen Schreibtisch, direkt neben einem Totenkopfaschenbecher. Der Mord am Hund als Stellvertreteropfer wirft ein memento mori ab, das von nun an, so dürfen wir verstehen, das Schreiben spirituell begleiten wird. Wenn Dea Loher damit mal nicht einen schönen Werkstattbericht über ihre stets schwermütige und vom Leiden der Welt bewegte Kunst gibt!

"Die Schwerkraft ist überbewertet", sing PeterLicht auf Hälfte des Konzerts, als wir schon längst den Ewald Palmetshofer des Deutsch-Pop in ihm zu erkennen glauben. "Klausi trennt sich von Bipsi / Bapsi von Hans / Berta trennt sich von Pelle / Berti tritt an die Stelle". Irre Namen und Paargerangel, eine echte Palmetshoferiade. PeterLicht schaltet derweil einen Gang hoch, unser anfängliches Kopfwippen weicht den ersten zaghaften Tanzeinlagen, und wir gedenken "wohnen. unter glas" (siehe unsere Bochum-Reise) oder "helden" (gerade wunderbar leichthändig am Theater an der Ruhr uraufgeführt). Oder natürlich dem letztjährigen Mülheim-Gastpiel "hamlet ist tot. keine schwerkraft", in dem die Figuren ja so ihre Probleme mit der Schwerelosigkeit ihres Thirty-Something-Daseins haben.

Meine lieben transsylvanischen Verwandten

Wirklich, bei PeterLicht kommt das Fest und eigentlich auch das Mülheimer Festival zu sich. Ein kleiner Kreis von Interessierten bevölkert die Holzbänke und Rasenflächen ringsherum. "Die transsylvanische Verwandte ist da", singt der schmächtige Maestro mit der Hornbrille (der keine Bilder von sich in den Medien erlaubt). Ist das ein Gruß an Lutz Hübner, der nach eigenem Bekunden seinen Festivalbeitrag "Geisterfahrer" auf dem "Vampirismus" einer Hausgemeinschaft aufgebaut hat? Oder ein Gruß an die Blutspieler bei Schimmelpfennig, die sich im "Hier und Jetzt" so aufmischen, dass auch ihnen der Seelenfriede in Ewigkeit verschlossen bleiben dürfte? Oder an Elfriede Jelinek und die Crew der Münchner Kammerspiele, die ihren Rechnitz-Kommentar um den Kannibalismus (und damit also auch ein wenig um das "Mensch beißt Mensch") herum aufbauen?

In jedem Fall vernehmen wir PeterLichts Gruß an das nachtkritik-Forum. "Theatervampirismus" hat dort ein User dem Pollesch-Beitrag "Fantasma" vorgeworfen. Und war da nicht noch etwas anderes? Stimmt, im selben Forum hat sich auch ein "PeterLicht" eingemischt und nennt "Fantasma" das "Stück vom Ende des Kommunismus". Und siehe, an diesem Abend löst sich alles auf. Aufs Wunderbarste, wie gesagt. In der Zugabe spielt PeterLicht endlich, lang erwartet, von gelöstem Jubel begleitet, seinen Klassiker: "Hast du schon, hast du schon gehört, das ist das Ende. Das Ende vom Kapitalismus, jetzt isser endlich vorbei. Vorbei. Vorbei."

Im blog gibt's weitere Schnipsel vom Festrand.

 

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