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Der Auftakt zum Symposium "Blick-Wechsel : Bild-Wechsel" mit Dea Loher-Gastspiel aus Uruguay

Die Sprache der Anderen

von Esther Boldt

30. Mai 2009. "Verstehen – davon war nie die Rede." Ein verheißungsvoller Satz, der in Dea Lohers Das letzte Feuer fällt. Im letzten Jahr erhielt das Stück den Mülheimer Dramatikerpreis, jetzt ist es in einer Inszenierung von Fernando Alonso als internationales Gastspiel aus Uruguay eingeladen. Als solches ist es eingebunden in den Auftakt des diesjährigen Symposiums: "Blick-Wechsel : Bild-Wechsel", so der durchaus komplizierte Titel, unter dem es um Bildtransfer und Perspektivwechsel gehen soll, um kulturelle Codierungen und ihre (Un-)Lesbarkeit in der Fremde, um die Präformierung des Blicks. Denn zur Komplexität des Bild-Diskurses gesellt sich der inter- und transkulturelle Diskurs – keine kleinen Dosen, die da aufgemacht werden. Und es wird dabei, im Gegensatz zum Loher-Zitat, nach den Möglichkeiten der Verständigung, gefragt.

Kulturschock mit Loher

Entstanden ist das Symposium in Kooperation mit der Theater- und Mediengesellschaft Lateinamerika e.V. Eine Gesellschaft, die, wie die Organisatorin Almuth Fricke bei der Eröffnung betont, dafür bekannt sei, sich thematisch "ab vom Trend" zu bewegen. Trotzdem verschlagwortete sie die Problemstellung des dreitägigen Symposiums unweit vom Tagesgeschäft: die mediale Omnipräsenz der Bilder, der Karikaturenstreit und die Auseinandersetzungen um den Hessischen Kulturpreis respektive Navid Kermanis' Interpretation des Kreuzigungsbildes. An diesem ersten Abend ging es allerdings noch nicht um die Übersetzbarkeit von Bildern (das steht morgen auf dem Plan), sondern um die von Sprache.

In zwei Gesprächen wurden die praktischen Aspekte internationaler Theaterarbeit angesprochen – mit Roberto Ciulli vom Theater an der Ruhr und Roger Christmann vom Festival "Theater der Welt 2010" redete Theatertage-Leiter Udo Balzer über "Theater auf Reisen". Und die Dramaturgin Hedda Kage stellte den Regisseur Fernando Alonso und die Übersetzerin M. Soledad Lagos vor. Sie hat Lohers "Letztes Feuer" ins Spanische übertragen, Alonso hat es am Teatro Espacio Palermo in Montevideo inszeniert.

Seine Faszination für Lohers Texte begann, so erzählt der Regisseur, mit einem "echten Kulturschock", als er auf Cuba "Claras Verhältnisse" sah. Prägende Themen der Autorin seien aber unabhängig von nationaler Identität, wie Einsamkeit, Gewalterfahrung und scheiternde Kommunikation. Lohers Texte hätten eine enorme Wirklichkeitsnähe, die Welt sei für sie ein gefährlicher Ort, und die brutale, fragmentarische Sprache spiegele das wider.

Mit Verve ins Versehrtheitsspiel

Dass zeitgenössische deutschsprachige Dramatik in Lateinamerika verbreitet ist, ist nicht zuletzt dem Goethe-Institut zu verdanken – doch wie viele lateinamerikanische Autoren kennt man hierzulande? Aber um diesen Blickwechsel ging es in dem Gespräch nicht. Und erstaunlicherweise sieht Alonsos Inszenierung auch gar nicht so aus, als käme sie von einem anderen Kontinent.

Ästhetisch ist sie eher konventionelleren Produkten des deutschen Stadttheaterbetriebs verwandt. Die Schauspieler werfen sich mit Verve in den Reigen der Versehrten, dieser merkwürdigen Nachbarn, in deren Schicksalen sich Soap-operettenhaft alle erdenklichen Probleme der Welt zusammenballen: Brustkrebs und Alzheimer, Terrorismus und Kriegsheimkehr, ein totes Kind und die übermächtige Schuldfrage. Wäre da nicht die Sprachbarriere und müsste man nicht immer wieder auf die Untertitel schielen, so würde es vermutlich gewaltig gefühlig zugehen. Keine Verständnisschwierigkeiten, nirgends.

Im Hinblick auf das Thema des Symposiums, sein Interesse und seinen Zugriff bleiben allerdings mehr Fragen als Antworten. Reicht es tatsächlich, auf diplomatischer, freundlich interessierter Ebene darüber zu sprechen, was Kulturen verbindet? Ginge es nicht vielmehr darum, diese kulturelle Verbindung, die behauptete Universalität kritisch zu befragen? Wie kann etwas tatsächlich Fremdes und Befremdendes, Unverständliches und vielleicht Inkommensurables in unser Blickfeld treten? Vorerst herrschte der eurozentrische Blick vor, der das Gemeinsame voraussetzt und das Fremde nicht denken mag. Anstelle kritischer Reflexion gab es nichts als Verständnis füreinander. So blieb Dea Lohers Satz ein falsches Versprechen.

 

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