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Der shorty 2 – zu Lutz Hübners "Geisterfahrer"

Torschluss auf Vorschuss

von Christian Rakow

17. Mai 2009. "Ich hatte schon die Befürchtung, dass hier irgendwelche Langweiler einziehen", begrüßt Harald seine neuen Mitbewohner auf einer ihrer zahlreichen Hauspartys. Und gegen diese Befürchtung scheint auch Barbara Bürk in ihrer Hannoveraner Uraufführung von Lutz Hübners "Geisterfahrer" mit einigem Aufwand anspielen zu lassen. In grimassierender Überzeichnung greift sich Christian Erdmann seinen tapsigen Verführer Pitt, gibt Martina Struppek ihre Power-Psychologin Gaby als verhinderte Stimmungskanone in Glattlederhosen. Der müde Kumpelmacher Harald (Wolf List) steigert sukzessive seinen Erregungspegel mit Wein und Kabbeleien. Das alles passiert unter regelmäßigen Lichtwechseln in Gartenmöbeln und Couchgarnituren auf einer ansonsten stylish leeren Bühne.

Mitunter lehnt sich die Regie selbst weiter aus dem Fenster, wenn Tanzschulchoreographien mit Lassoschwingern für südamerikanische Auflockerungen sorgen sollen. Dann wieder werden Momente angedachter Intimität auffallend gestisch eingetütet. Nur gelegentlich blitzt der Reiz dieser pointendrehenden Dramatik auf, wo Volten wie im Vorbeigehen verteilt werden (Peter Knaak, Sabrina Ascacibar) oder sich jemand, wie Rosa Enskat, lakonisch gedämpft gegen den allseitigen Froh- und Trübsinn behauptet.

Im Ganzen ist die Bilanz dieser Hauseignergemeinschaft viel zu früh und großzügig gezogen: Ein jeder hadert, die Ehen sind desolat. Länger auf Subtext nachgerechnet wird nicht. Wir sehen ein Torschlussdrama auf Vorschuss, zehrend vom Vertrauensvorschuss des Realismus. Da schmunzelt man und lacht auch hier und da, weil einem alles so schön bekannt vorkommt. Doch kann man es schließlich mit Harald halten: "Wir müssen doch mal wieder richtig leben". Nicht Nach(er)leben, sondern Leben!

Hier lesen Sie die Nachtkritik und Kritikenrundschau zur Uraufführung in Hannover. Den Text von Lutz Hübner haben wir in unserer Stückkritik näher unter die Lupe genommen. Und hier berichten wir vom Publikumsgespräch.

 

Kommentare (3)

17. Mai 2009, 20:05
Dolzer: ...
Dass Hübner langsam mal nach Mülheim eingeladen wurde, ist doch durchaus fair, schließt er doch den Gap zwischen Jugend- und Erwachsenentheater. Ich war seinerzeit total fasziniert von "Herz eines Boxers"! Aber entweder bin ich älter geworden und spring auf Hübner nicht mehr an, oder Hübner ist nicht gerade mit seinem besten Stück in Mülheim...
19. Mai 2009, 17:05
Laura: Für Erwachsene zu billig
Lieber Dolzer,

ich glaube du bist älter geworden!! Hübner ist ein Autor für Jugendtheater - mehr nicht! Kids wollen verstehbare Plots, ein bisschen Herzschmerz, und WENN sie ins Theater gehen, erwarten sie auch das, was sie für "Bildung" halten: Hübner bedient das perfekt!
Für Erwachsene ist das zu billig - (...)!
20. Mai 2009, 02:05
Schönberg: Nicht sein bestes Stück
Die Auswahljury hat letztes Jahr "Blütenträume" ignoriert, das ist wirklich ein gutes Stück. Hübner schreibt viel, vielleicht zu viel, jetzt war er, als Vertreter von well-made-play, irgendwie fällig - leider mit dem falschen Stück.

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