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Sieben Fragen an...

Heike Müller-Merten


Heike Müller-Merten, Dramaturgin, Leipzig

Geboren 1961. Studierte Theaterwissenschaften in Leipzig. Von 1984 bis 1993 Dramaturgin am Staatsschauspiel Dresden, danach bis 2003 dort Chefdramaturgin. Von 2003 bis 2008 Chefdramaturgin am Schauspiel Leipzig. Lehrauftrag für Dramaturgie an der Hochschule für Musik und Theater "Felix Mendelssohn-Bartholdy" in Leipzig. Seit 2008 freiberufliche Autorin für Rundfunk und Medien und Gastdozentin an der Akademie der Darstellenden Künster Baden-Württemberg.

1. Wie sind Sie in der Vergangenheit mit den Mülheimer Theatertagen in Berührung gekommen?

Als interessierte Besucherin.

Als Mitarbeiterin eines nach Mülheim eingeladenen Theaters, u.a. bei Christoph Heins Nominierung mit "Randow" (1995), Martin Heckmanns' "Schieß doch, Kaufhaus" (2003) oder Gesine Danckwarts "Täglich Brot" 2002 (damals war ich Chefdramaturgin am Dresdner Staatsschauspiel).

Ich betrachte es als Muss, sofort die nach Mülheim eingeladenen Stücke zu lesen, sofern das nicht bereits geschehen ist.

2. Was ist spezifisch am Blick einer Dramaturgin auf Theaterstücke?

Mein Blick auf Stücke ist ein respektvoller, weil ich den Vorgang des Schreibens als Akt der Berührung und Reflexion von Welt hoch bewerte. Die wesentlichen Fragen stellen sich bei der ersten Lektüre sofort: Interessiert mich das Stück wirklich? Und: Hat sich der Autor für seinen Gegenstand wirklich interessiert?

Dann lese ich den jeweiligen Text konkret im Hinblick auf seine Relevanz in der Region, in der mein Theater steht. Außerdem prüfe ich, ob der Gehalt des Materials mit der Konzeption des Hauses und der Themensetzung der Spielzeit korrespondiert. Die Struktur des Ensembles und die Erfordernisse der Besetzungspolitik am Haus spielen ebenfalls eine Rolle. Insofern kann es sein, dass man sich zu einem Zeitpunkt gegen ein gutes Stück entscheidet, weil das Thema am Theater X bereits mehrfach bedient wurde oder keine Besetzung zur Verfügung steht.

Ein gutes Stück setzt sich dennoch durch; man kann es auch nachspielen. Es sei denn, seine Halbwertszeit ist gering.

3. Was macht für Sie ein gutes Theaterstück aus?

Der Autor hat etwas zu sagen, das über seine persönliche Befindlichkeit hinausgeht. Sein Text ist welthaltig – egal ob er mit dem Weitwinkel fokussiert oder die Nahaufnahme bevorzugt.

Der Text verfügt über die Qualität, eine Sprachfindung mit den Schauspielern und Zuschauern einzugehen. Er stellt Regie und Schauspieler vor inhaltliche und ästhetische Herausforderungen.

4. Inwieweit darf, Ihrer Meinung nach, bei der Uraufführung in die Textgestalt eines neuen Stückes eingegriffen werden?

a.) Wenn ich es mit Texten von AutorInnen zu tun habe, die in dem Bewusstsein schreiben, Theaterliteratur zu produzieren, sollte man das respektieren. In diesem Falle suche ich als Dramaturgin immer den Kontakt zum Theaterverlag, in dem meistens sehr kompetente Lektoren arbeiten. Über diese nehme ich direkten Kontakt zum Autor auf, sofern es sich um einen lebenden Autor handelt. Mit ihm bespreche ich gewünschte Veränderungen oder arbeite mit ihm gemeinsam daran. In meiner Laufbahn habe ich nur gute Erfahrungen damit gemacht und interessante AutorInnenen und VerlegerInnen kennen gelernt. Die Uraufführung sollte möglichst auch im Sinne des Autors über die Bühne gehen, denn ich schätze Autorschaft nicht geringer als Regieintention. Kein Autor muss sich gegen seinen Willen plündern oder fleddern lassen. Regisseure, die sich auf diese Gepflogenheit nicht einlassen wollen, werden besser andere Materialien suchen, um sich künstlerisch auszudrücken.

Wenn ein Autor Anfängerfehler macht, kann man ihn meistens im kollegialen Gespräch mit guten Argumenten von nötigen Änderungen überzeugen. Das gehört zum Dramaturgenhandwerk.

b.) Wenn Autoren ihre Texte dem Theater als Material zur freien Verfügung überlassen, obwohl es sich um Theaterliteratur handelt, wie beispielsweise bei Elfriede Jelineks Sportstück, ("Machen Sie damit, was Sie wollen...") – ist das okay. Dann folgen wir, Regie und Dramaturgie, kühn dieser Aufforderung.

c.) Autoren und Theater sind gut beraten, sich im Vorfeld über Verfahrensweisen zu einigen. Von langwierigen Hospitationen der Autoren auf Proben, die beim Team nicht wirklich gewünscht sind, rate ich ab. Es sei denn, work in progress ist verabredet und der Autor hält sich für probenresistent oder probenkompatibel – je nach Sichtweise. Und, im Umkehrschluss, sollte auch der Regisseur ein gutes Maß an Durchlässigkeit oder Resistenz dem Autor gegenüber an den Tag legen, wenn er diese Art von Proben für sich produktiv machen will. Das ist selten gelungen.

5. Wie entdecken Sie in Ihrer Arbeit als Dramaturgin neue Autoren?

Über Korrespondenz mit Verlagen, durch Gespräche mit Bühnenverlegern, beim Verfolgen der Fachpresse und der Feuilletons (ein gutes Stück ist immer noch ein gutes Stück, auch wenn es bereits eine UA erlebt hat). An den Schreibschulen, besonders an der UdK in Berlin tut sich viel, am Literaturinstitut Leipzig...

Das Wahrnehmen von Autorenfestivals war mir während meiner Amtszeit aus Zeitgründen selten möglich; aber dann sind KollegInnen aus dem Dramaturgieteam gereist und haben berichtet.

Als ich Mitte/Ende der Neunziger glaubte, es gäbe zu wenig originäre neue Stücke (war es so?), und die Autorenförderung noch nicht im Programm eines jeden Stadttheaters festgeschrieben war (war sie nicht!), schloss ich mich dem UAT (Uraufführungstheater) an; Oliver Bukowski und die Regisseure K.D. Schmidt und Harald Siebler hatten einen Modellversuch in Berlin gestartet; wir institutionalisierten über drei Jahre in Dresden am Staatsschauspiel das UAT Berlin-Dresden.

Junge unbekannte Autoren sandten Stücke ein, wir überprüften sie in einwöchigen Arbeitsworkshops mit erfahrenen Regisseuren, Schauspielern, Dramaturgen und in ständiger Anwesenheit der Autoren. Im Ergebnis stellten wir die Texte als szenische Lesung vor und luden dazu die Fachwelt ein, vor allem Bühnenverleger. Unter den Autoren waren Kai Hensel, Martin Heckmanns, Simone Kollmorgen, Tine Rahel Völcker... Dann wurde das Geld knapp, in Dresden wechselte die Intendanz und es gab andere Probleme. Außerdem war dieses Modell außerordentlich zeitintensiv und kaum neben dem Theaterbetrieb zu bewältigen.

Die Schulen für szenisches Schreiben sind inzwischen ganz anders aufgestellt und anerkannt; sie leisten jetzt Autorenarbeit. Der Praxisbezug ist allerdings oft nicht ausreichend gegeben.

6. Welches nicht eingeladene Stück hätten Sie persönlich in diesem Jahr gern in Mülheim gesehen?

Dirk Lauckes "Ein kalter Kuss von warmen Bier", Heidelberg (die Premiere war erst im Mai 2009 – vielleicht nächstes Jahr?).

Tine Rahel Völcker "Die Höhle vor der Stadt in einem Land mit Nazis und Bäumen" (Weimar/Berlin).

Und als bemerkenswertes Erzeugnis einer neuen Form kollektiver Dramenproduktion: "Rummelplatz" von Werner Bräunig, Armin Petras und Carmen Wolfram.

7. Was war Ihr letztes bemerkenswertes Theatererlebnis?

Bemerkenswert waren einige Theatererlebnisse in vielerlei Hinsicht. Nur eine Auswahl:

Regelrecht beglückt war ich in Sebastian Baumgartens Inszenierung "Meister und Margarita" in Düsseldorf, die heutige weltanschauliche und religiöse Fragen auf der Grundlage eines "alten Romans" miteinander verquickt und dabei eine spannende und ästhetisch reizvolle mehrdimensionale und multimediale Erzählweise kreiert.

Den Grad höchster künstlerischer Meisterschaft bewunderte ich in Andreas Kriegenburgs Inszenierung von Dea Lohers "Das letztes Feuer", angelegt zwischen neo-naturalistischer Sozialstudie und Globalisierungskritik.

Zutiefst bewegt war ich von Robert Schusters unpretentiösem und spielerischem Umgang mit Wajdi Mouawads "Verbrennungen" letztes Jahr am Schauspiel Leipzig.

Verstimmt hat mich das "Vergeigen" eines brisanten politischen Textes (Margareth Obexers "Das Geisterschiff") durch eine verfehlte Regiekonzeption von Alice Buddeberg am Theaterhaus Jena. Im Versuch, die politischen Vorgänge nach dem Handbuch des postdramatischen Theaters aufzupeppen, wurde die analytische und provokante Ambition des Textes zugunsten ironischer (kabarettistischer) Demonstration eigener Befindlichkeiten geopfert.

Hier antworten die übrigen Mitglieder der Preisjury.

 

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