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Publikumsgespräch zu Lutz Hübners "Geisterfahrer"

Subtext-Suche in Gebrauchsanweisung

von Sarah Heppekausen

17. Mai 2009. Es ist nicht die erste Frage, die Gerhard Jörder dem Autor von "Geisterfahrer" stellt, aber lange hat er sie nicht zurückgehalten: "Wie viele Stücke haben Sie schon geschrieben?" Lutz Hübner, der Hochproduktive, einer der meistgespielten Dramatiker in Deutschland, Ranglistenplatz drei gleich nach Shakespeare und Goethe. Diese Frage hat er wahrscheinlich noch häufiger beantwortet als er Stücke geschrieben hat. Und das sind sage und schreibe 32.

Dann geht Jörder "in medias res", wie er vorher noch freundlich ankündigt: "Aber was ist schief gegangen, dass Sie erst heute in Mülheim dabei sind?" Das muss er sein, der wunde Punkt. In den Feuilletons wird Lutz Hübner entweder totgeschwiegen oder kritisiert für seine Gebrauchsstücke. Aber Hübner reagiert gelassen sachlich. Wer als Autor mit Jugendstücken anfange, mit "Kulturware mittlerer Handelsgüte", habe es nicht leicht in Deutschland. Und mit klar erzählten Stücken inklusive Boulevard-Elementen könne man sich eben Ärger einhandeln.

Gewohnter Wiedererkennungswert

Und diesmal, bei "Geisterfahrer", ist alles anders? Das schwebt als unausgesprochene Frage (an die Jury) im Raum. Sicher nicht. Die Qualität des Stücks liegt wie gewohnt im Wiedererkennungswert der Figuren. "Die treffe ich in Mülheim jeden Tag", meint ein Zuschauer auch prompt. Was einen weiteren wichtigen Diskussionspunkt formuliert: die Klischeefrage. Jörder äußert den Verdacht, dass Hübner bewusst mit Mustern und Stereotypen arbeite ("Sie könnten doch auch anders?"). "Ich habe keinen Bastelkasten zuhause", bleibt der Autor ruhig. Ihm gehe es vor allem um die Differenz zwischen dem Klischee und dem dahinter zurückbleibenden Anspruch, dieses Klischee erfüllen zu wollen.

Da sind jetzt die Schauspieler gefragt. Alle sechs sitzen auf dem Podium, außerdem Regisseurin Barbara Bürk, Bühnenbildnerin Anke Grot und Dramaturg Robert Koall – Hübner versteht sich als Teamarbeiter, seine Stücke bloß als Gebrauchsanweisung. Ob eine Psychologin denn immer rote Haare haben, eine Brille und Lederhosen tragen müsse? Für sie sei das nicht das Bild einer typischen Psychologin, wehrt sich Gaby-Darstellerin Martina Struppek. Überhaupt interessieren sich alle vor allem für das Stück hinter dem Stück, was allerdings nicht leicht zu entdecken war, wie Bürk zugibt.

So ein Vakuum, ein schwarzes Loch sei neu. Hübner, der sonst so eindeutige gesellschaftspolitische Probleme wie Ehrenmord oder die Bankenpleite behandelt, bleibt bei "Geisterfahrer" thematisch eher im Vagen. "Die großen Themen sind an privaten Stellen", erklärt die Regisseurin. "Die Angst, keine Arbeit zu haben, ein Verlierer zu sein." Wie Vampire zapften die Leute den Neuankömmlingen die Energie aus den Adern.

Gegen die Metadiskussion

Klischees oder Charaktere, die Zuschauer sind sich nicht ganz einig darüber, was sie in der Inszenierung gesehen haben. Man solle doch vielmehr von Realität statt von Klischees sprechen, schaltet sich Wilfried Schulz, der Intendant vom Schauspiel Hannover ein. Und nicht immer gleich in eine Metadiskussion über den ästhetischen Ansatz verfallen. "Wenn die Zuschauer aus dem Theater kommen, reden sie nicht über die Inszenierung, sondern über die Figuren und die Geschichte. Wie bei einem Film." Also doch nur Fernsehtheater?

Erst gegen Ende der wenig kontroversen Diskussion wagt dann noch ein Zuschauer den ruhigen Protest: "Ich fand das abnehmend interessant. Es gibt nicht sehr viel Neues im Stück". Aber in dieser Kategorie denkt der Autor nicht. "Es ist eine Geschichte, die mir so lange im Kopf herumgeistert, bis ich sie loswerden muss." Und das geschieht Lutz Hübner wohl häufiger. Als Gerhard Jörder ihn zum Schluss nach seinem nächsten Projekt fragt, huscht auch dem Moderator ein leichtes Grinsen über die Lippen. Natürlich kann Vielschreiber Hübner darauf sofort eine Antwort geben. "Für Essen, dann für Dresden." Die Geschichten werden sich schon noch einfinden.

Mehr zu Lutz Hübner. Lesen Sie außerdem den shorty zum Mülheim-Gastspiel.

 

Kommentare (3)

17. Mai 2009, 17:05
Mülleimer: ...
Mein Gott, ja! Was für ein langweiliges Stück. Das ist ja wie aus dem Lehrbuch für die achte Klasse: So, liebe Kinder, so schaut die Lebensmittekrise aus, die ihr dann auch alle bekommt. Hilfe!!! Wie schlecht muss die deutsche Dramatik sein, wenn so was eingeladen wird!
17. Mai 2009, 20:05
Armin: ...
Naja, so schlecht, und doch so repräsentativ, würde ich sagen. Hübner ist doch nicht ärmer als so viele andere Mülheim-Gäste im letzten Jahr - ich sag nur de Weck oder Löhle! Und dass mit Dea Loher die Queen des Konzepts "Wir erzählen uns fiktiv gebrochene Geschichten irgendwie-echt Betroffener" gewonnen hat, statt die großartige Rosemarie Zeller, ist ein Armutszeugnis für die Jury und lässt für dieses Jahr Schlimmstes befürchten!
20. Mai 2009, 19:05
Felix: @Mülleimer
Sorry, aber ich bin ein Jugendlicher (wenn auch nicht achte Klasse!), und mir hat das Stück gefallen. Bin ich als unter 60 Jähriger eigentlich Publikum zweiter Klasse oder was? Armer Müll, den du da redest, Mülleimer!!

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