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Publikumsgespräch zu Sibylle Bergs "Die goldenen letzten Jahre"

Pokerface mit Herz

von Esther Boldt

2. Juni 2009. Koketterie ist eine Strategie. Eine Strategie des Entzugs und der Verweigerung, in der Sibylle Berg zweifelsfrei Übung hat. Gegen konkrete Fragen setzt sie vage Pointen und trägt dazu ein freundlich-zugewandtes Pokerface unter dem auftoupierten roten Haar. An diesem Abend in Mülheim hat sie die Bonner Uraufführung ihrer "Goldenen letzten Jahre" zum ersten Mal gesehen. Wie sie denn die Inszenierung finde?, fragt Moderator Gerhard Jörder. – "Das war schön." Ob sie anders sei, als sie es sich vorgestellt habe? – "Ich hab nix im Kopf. Also keine Vorstellung der Inszenierung." Und dann lehnt Frau Berg sich zurück und sieht gut aus.

Immer im Bett bleiben

Das Podium im Theater an der Ruhr ist dicht besetzt, gedrängt sitzen die fünf Schauspieler, die Dramaturgin Almuth Voß, die Regisseurin Schirin Khodadadian, Moderator Jörder und Autorin Berg. Auch das Publikum ist nach einer gut gelaunten Vorstellung zahlreich geblieben. Ob es für sie einen Unterschied zwischen dem Schreiben von Romanen und dem von Theaterstücken gibt? – "Natürlich, Theater hat einen anderen Unterhaltungsanspruch. Das darf nicht zu mühsam werden, schließlich kommen die Leute von der Arbeit und haben schmutzige Füße." Ob sie Proben besuche oder während der Inszenierung dabei sein wolle? – "Ich möchte gern nirgends dabei sein. Und ich möchte bitte immer im Bett bleiben." Hier sind wir, nach wenigen Minuten, schon auf dem Höhepunkt der Koketterie-Nummer. Wie gezielt die Autorin sich bedeckt und heraus hält, das ist eine Show für sich.

Umso freier erzählen Schauspieler und Regie, wie sie sich an den Figuren abgearbeitet haben, die eher Pointenträger sind als charaktervolles Fleisch und Blut. "Sie sind Ideenträger", so Khodadadian, "es war eine sehr persönliche Suche, um an diese Clowns heranzukommen, die da durchs Leben mäandern". Lange hat sich Günter Alt, der den Autisten Paul spielt, nicht mit seiner Figur anfreunden können.

Scharfer Schuss verhallt

Auch Susanne Bredehöft berichtet, dass das Stück und ihre Rolle – die behinderte Bea – ihr Alpträume bereitet hätten: "Manchmal ist es schon eine Qual, was man da so erleben muss als Figur." Und damit ist die Rolle wieder an Frau Berg. "Woher", fragt Jörder und stößt damit zum Kern des Stückes vor, "kommt Ihre Vorliebe für Underdogs und graue Mäuse?" Sie habe gegen die Normalität ins Feld ziehen wollen, "gegen alle diese normalen, glücklichen Familien", um zu zeigen, dass sich das Mitschwimmen im Strom nicht unbedingt auszahle: "Ich habe versucht, Figuren ein Happy End zu geben, die sonst nicht mitspielen dürfen." – "Da bringen Sie ja eine einfache Lebensphilosophie auf die Bühne", merkt Jörder an, "die man anderen so gar nicht verzeihen würde". Doch sein scharfer Schuss gegen den simpel anmutenden gedanklichen Unterbau des Stückes verhallt ungehört.

Dafür hat sich Bergs Empathie für ihre Clowns und Loser deutlich herauskristallisiert, die das Stück in ein anderes Licht rückt. Ist das idyllische Ende also doch gar nicht zynisch oder "vom Sarkasmus unterspült" (Jörder)? Wenn die Kaputtnicks zu Normalos werden, die ihr entbehrungsreiches Leben zu später, goldener Stunde doch noch mit Erfolg krönen? Offenbar wollte Berg in ihrem Stück tatsächlich "unglückliche Menschen glücklicher machen". Und wir nehmen mit nach Haus: Auch schräge, alptraumhafte Ideenträger brauchen ein bisschen Liebe.

Mehr zu Sibylle Berg. Lesen Sie auch unseren shorty zum Mülheim-Gastspiel.

 

Kommentare (1)

02. Juni 2009, 22:06
Johnny 2: ...
So ein schöner, lebendiger Bericht! Bin ja Sibylle-Berg-Fan, eigentlich, aber trotzdem. Wort des Abends: Kaputtnik.

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