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Publikumsgespräch zu Oliver Bukowskis "Kritische Masse"

Probleme der Darstellung

von Natalie Bloch

3. Juni 2009. Ist hier eigentlich etwas schief gelaufen? Oder eher glücklich gelaufen? Zumindest ist etwas mächtig auseinander gelaufen. Es gibt nämlich ein Stück, das nur wenig mit dem zu tun hat, was man auf der Bühne sieht: Ein Drittel des Textes fehlt, dafür gibt es Kneipenwitze und Trinksprüche in Hülle und Fülle, Geschlechter- und Verwandtschaftsverhältnisse sind massiv verändert (aus der Mutter wird ein Bruder, aus dem Ehemann ein Sohn), und jede Einzelszene wird von einer gewaltigen Gruppensituation überflutet.

Beim letzten Publikumsgespräch der Mülheimer Theatertage steht angesichts von Sebastian Nüblings Inszenierung von Oliver Bukowskis Kritische Masse die Frage im Raum, was ein Regisseur mit einem Text anstellen darf. Doch grundsätzlich werden Nübling und Bukowski glücklicherweise nicht. Vielmehr geht es beiden darum, zu hinterfragen, ob das Ergebnis besser ist als das, was im Text angelegt ist. Ein Teil des Publikums sieht diese Frage allerdings naturgemäß nicht so locker. Man könne das Stück nicht beurteilen, es sei "verschenkt", man selber gar "geschockt", empört man sich.

Vor den falschen Karren gespannt?

Bukowski hingegen präsentiert die Autorenseite erstaunlich pragmatisch und wenig erbost. Wütend sei er zwar gewesen, als er in der Generalprobe seine eigenen Figuren nicht wiedererkannt habe und noch nicht mal gewusst habe, wer wer sei. Heute aber habe er sich die Inszenierung einfach wie ein anderes Stück angeschaut und einiges entdeckt. Insbesondere von den Schauspielern und der Kraft, mit der sie sich "reinhängen", sei er verblüfft, doch überlege er, ob sie nicht den falschen Karren zögen. Die Schauspieler selber scheinen sich in diese Diskussion nicht hineinbegeben zu wollen (vielleicht sind sie auch noch unter der Dusche), einzig Marion Breckwoldt hält die Stellung des immerhin 15köpfigen Ensembles auf dem Podium, später kommt noch Sören Wunderlich hinzu.

Ob er dem Stück nicht getraut habe, will Jörder von Nübling wissen. Und in der Tat bekennt Nübling, dass er dem sozialrealistischen Ansatz des Stückes misstraue, auch die auktoriale Draufsicht auf die Figuren gefalle ihm nicht. Daher habe er den Sozialrealismus in eine gruppendynamische Situation überführt, in der die Vereinzelung in der Gruppe stattfinde. Ein Herr aus dem Publikum empört sich jedoch, nur eine prollige Masse gesehen zu haben, während ein kolumbianischer Zuschauer zu bedenken gibt, dass gebildete Menschen einfach nicht sehen wollten, was vulgäre Menschen sagen und tun – er erntet spontanen Applaus.

Jedes Wort ein Hieb

Eng verknüpft mit der Frage nach Milieu und Masse ist die nach der Sprache der Figuren. Der Text sei zu pointensüchtig gewesen, deswegen habe man hier einiges verändert, so Nübling. Auch Jörder fragt nach: "Sprechen die Menschen so? Jedes Wort ein Hieb?" und die Dramaturgin Nicola Bramkamp verweist auf die ein wenig dümmlichen Frauenfiguren Bukowskis. Ihr IQ sei zu schwach gewesen, deswegen habe man aus einem Professor kurzerhand eine Professorin gemacht. Bukowski hält dagegen, dass sein Wortwitz möglicherweise zur Sozialromantik neige, doch wende er sich dagegen, diese Menschen nur "versoffen und verblödet" darzustellen. Vielmehr wolle er zeigen, dass sie aus dem Zustand großer Verzweiflung heraus Dinge beschwören könnten, die groß und traurig seien.

Sicher ist: Die angemessene Darstellung der sozial ganz unten Angesiedelten scheint äußerst heikel zu bleiben, die konträren Meinungen auf dem Podium, aber auch die hitzigen Publikumsreaktionen führen es vor. Nur Marion Breckwoldt sagt, sie habe keine Probleme gehabt, auf der Bühne "Volk" oder "Prolls" darzustellen: "Ich kenne die Leute, sie sind mir nah. Es wäre arrogant zu sagen, das kann man nicht darstellen."

Mehr zu Oliver Bukowski.

 

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