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Publikumsgespräch zu René Polleschs "Fantasma"

Botenberichte aus der In-Group

von Christian Rakow

16. Mai 2009. Wir stecken in einer Fortsetzungsserie, aber in diesem Teil fehlt der Hauptdarsteller. René Pollesch, zum fünften Mal Gast der Mülheimer Theatertage und üblicherweise ein lebhafter Diskutant in den hiesigen Publikumsgesprächen, ist heute Abend in Stuttgart auf der Generalprobe für seine Harald-Schmidt-ist-auch-dabei-Novität „Wenn die Schauspieler mal einen freien Abend wollen“.

Da nutzt Moderator Gerhard Jörder, der sich im letzten Jahr noch furchtlos gegen Polleschs Fabuliermaschine stemmte, die Gunst der Stunde und der illustren Runde (mit Sophie Rois, Martin Wuttke und Schauspielern des Wiener Burgtheaters) und fertigt sich gewissermaßen ein Trojanisches Pferd. Mit diesem will er durch die Hintertür aufs Innerste des Pollesch-Gemeinwesens drängen: Was ist dran am großen emanzipatorischen Diskurszauber?

"René schreibt das dann auf"

Frank und frei, jetzt da der Autorregisseur mit seiner unnachahmlich „paradoxalen Art auszuweichen“ (Jörder) abwesend ist, sollen die Schauspieler erzählen: Wie sehen denn nun die Pollesch-Proben aus? Wie viel Mitbestimmung gibt es da? Was meint Pollesch, wenn er behauptet, er sei nur „Dienstleister“ für seine Schauspieler? Zaghaft tastet sich Sachiko Hara, mit bisher drei Pollesch-Produktionen eher eine Newcomerin, vor: „Es geht um meine Probleme.“ Im Stück heißt es, mit einer Louis Vuitton-Tasche sehe sie aus wie eine japanische Touristin, mit einer Stange Zigaretten unter dem Arm dagegen wie eine vietnamesische Migrantin. Solche Beobachtungen bringe sie selbst ein, und „René schreibt das dann auf“.

Ansonsten liegt die Deutungshoheit auf dem Podium weitestgehend bei den Diskurslokomotiven Sophie Rois (pikiert „Ich bin ein alter Hase?!“) und Martin Wuttke (schmallippig Kette rauchend, das Hemd weit offen). Wenn es so etwas wie die Pollesch-Theaterfamilie gibt, dann sind die beiden sicherlich Verwandte ersten Grades. Mit ihnen merkt man kaum mehr, dass der Maestro an diesem Abend fehlt. Wuttke hat die Seelenruhe eines elder statesman: „Es geht bei Pollesch um den Prozess eines Nachdenkens auf der Bühne“, nicht um die Präsentation von Positionen und Argumenten (wie im klassischen Dialogtheater). Es geht, wirft Rois eine der wohlbekannten Catchphrases in die Runde, „um Orientierung im Leben“.

Freiheit des Machens

Glückerweise fliegen diese Schlagworte samt der Diplomatie des Gemeinplatzes („wir sind froh, dass wir mit diesen Stoffen jetzt auch ein größeres Publikum erreichen“) bald über Bord. Und Sophie Rois triumphiert mit spitzem Oberösterreichisch: „Wir machen doch nicht Gegenkultur. Wir machen die Kultur!“. Und im Akademietheater der Wiener Burg sei man überhaupt kein Fremdkörper. „Wir sind die, die da hingehören, um den Raum zu feiern. Wir machen das wirkliche Volkstheater.“

Dann erzählt sie, wie Ein Chor irrt sich gewaltig – ein Premiumabend der Rois im Berliner Prater – aus einem simplen Bühnenbild mit Vorhang von Bert Neumann entstanden ist. Und aus der Idee, man müsse einmal „was mit einem Chor machen“, mit so schönen „Mädchenkostümen“ (und Wuttke haucht von der Seite herein:) „aus afrikanischen Stoffen“. Motive und Themen des Textes stammten von allen, und alle würden probieren und verwerfen. „Das ist extrem befriedigend, diese Freiheit des Machens“, sagt Rois. Man träfe, so wieder Wuttke, „Entscheidungen aus Kompetenz“ und aus bewährten „gemeinsamen Erfahrungen“ heraus.

Dies ist ein Publikumsgespräch voller Botenberichte aus einer arbeitsteiligen In-Group, deren Energien freilich längst in ihren Kontext übergreifen. Die Zuschauer, die sich im Publikumsgespräch zu Wort melden, erweisen sich denn spätestens dort als echte Teilhaber, wo sie die stets kritischen Nachfragen des Moderators gegen diesen selbst wenden wollen: „Was ist denn Ihre Position, wenn sie von der Moral der Schaubühne sprechen?“ Bei Pollesch hätte es wohl geheißen: Ich werde hier andauernd mit Schiller neutralisiert!

Mehr zu René Pollesch. Lesen Sie außerdem den shorty zum Mülheim-Gastspiel.

 

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