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Was soll das, "I thelen"? Das tut nichts zur Sache. Intere
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Der shorty 5 – zu Roland Schimmelpfennigs "Hier und Jetzt"

Hahnen- und Hanswurstkämpfe

von Anne Peter

25. Mai 2009. Welch Überraschung! Für das bisher größte Aha-Erlebnis der Theatertage sorgen Jürgen Gosch und seine Zürich-Crew mit "Hier und Jetzt". Denn sie beleben den Schimmelpfennig-Text auf eine Art, die sein (bislang von mir nahezu komplett übersehenes) komisches Potential aufs Schönste hervorkehrt. Die beim Lesen noch bedeutungsschwer daherkommenden, dauerwiederholten Sätze werden hier zu Running Gags. Immer wieder macht Christine Schorn das zickzackflügige Gesummse der Stechmücke hörbar. Immer wieder fragt Karin Pfammatter in den (mutmaßlich leeren) Kinderwagen: "Na, was sagst du?". Immer wieder erzählt Georg Martin Bode von den herzzerreißenden Ärschen vierer Däninnen am Strand von Marielyst.

Da werden zwei Männer, die sich eben noch nackig Huckepack aneinander abschleppten (der Mensch ist dem Menschen eine Last), in den angelegten Ritterrüstungen plötzlich sehr klein. Bei geschlossenem Visier wuchten sie die schweren Stahlschwerter ächzend über Kopf, um sich von ihnen nach jedem Schwung keuchend gen Erdgrund hinabziehen zu lassen. Ritterliche Hahnen- (oder Hanswurst-)kämpfe bis zur völligen Erschöpfung. Da prügelt Wolfgang Michael unter dem hysterischen Gekreische der Umstehenden so lange mit dem Holzklappstuhl auf Nebenbuhler Charly Hübner ein, bis dieser übertrieben kunstblutüberströmt hinterm Hochzeitstisch hervorwankt wie das halbtote Opfer im Splattermovie. Da singt Corinna Harfouch herzergreifend über eine verflossene Liebe und findet dabei keine andere als eine abgenutzte Sprache naturschwärmender Bilder von Flüssen, Bäumen, Fischen und Vögeln, die klingen wie billiger Schlager, über den man, so verzweifelt man sich auch abstrampelt, einfach nicht hinwegzukommen vermag.

Diverse Versatzstücke romantischer Liebe werden hier buchstäblich in den Banalitäten-Dreck gezogen. Und doch sind diese komischen Menschenwesen erdenschwer bis zur Tragik. "Ich hatte mir das so anders vorgestellt", sagt Dörte Lyssewskis Katja über ihren Hochzeitstag, "ich hatte gedacht, da kommt eine Kutsche. Morgens". Risse zwischen Ideal- und Realfall. Oder, wie Wolfgang Michael beim Nachgespräch Beckett zitiert: "Nichts ist komischer als das Unglück."

Hier lesen Sie die Nachtkritik und Kritikenumschau zur Uraufführung in Zürich. Den Text von Roland Schimmelpfennig haben wir in unserer Stückkritik näher unter die Lupe genommen. Und hier berichten wir vom Publikumsgespräch.

Kommentare (1)

26. Mai 2009, 10:05
Lillifee: ...
Komik - wahrscheinlich ist das tatsächlich die segensreichste Dusche, die man diesem Text von Schimmelpfennig verpassen kann! Nur so kann man ihm die Erde abwaschen, die ja doch nur angeschminkt ist.

Denn die existenzielle Suche nach dem Seinsgrund führt uns doch heute nicht mehr ernsthaft in die Natur zu den Bienen und Ameisen, sondern in die Großstadt-Geschichten des Wir, Ihr und die Anderen.

So ist die Inszenierung klüger als das Stück, so wie übrigens auch das Ensemble, v.a. Dörte Lyssewski, im Publikumsgespräch mehr über das Thema des Stückes eröffneten als das Stück selbst.

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