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Publikumsgespräch zu Roland Schimmelpfennigs "Hier und Jetzt"

Die Komik des Einfachen

von Natalie Bloch

25. Mai 2009. Komisch war der Abend wirklich. Zum Brüllen komisch. Ein Herr aus dem Publikum fühlt sich an Marthaler erinnert, ein anderer denkt gar an Tarantino, bemerkt jedoch, dass er beim Lesen eher das Elegische des Textes gesehen habe, weniger die Running Gags und die schräg gesungenen Lieder. Tja – wem haben wir die Komik, aber auch den Tiefgang eigentlich zu verdanken, dem Text Schimmelpfennigs oder der Inszenierung Goschs? Ist der Text vielleicht sogar dünn und beliebig und durch eine gute Regie aufgewertet worden, wie ein (mit seiner Meinung anscheinend recht allein stehender) Zuschauer vermutet?

In der stets heiklen Frage nach dem Verhältnis von Text und Inszenierung gipfelt das Publikumsgespräch zu "Hier und Jetzt" und bringt dabei einige interessante Nebenschauplätze mit sich, wie zum Beispiel die Frage, wie humorvoll Roland Schimmelpfennig eigentlich ist. "Sehr!" tönt die Antwort wie aus einem Munde vom Podium. Auf diesem sitzen – bis auf den Regieassistenten –  nur Schauspieler. Und das ist passend, denn wie Moderator Jörder betont, ist es "ein Abend der Schauspieler".  Zudem ist es eine gute Gelegenheit zu erfahren, was das Ensemble eines prototypischen Ensemblestücks über seinen Autor und seinen Regisseur zu sagen hat.

Es ist nichts draufimprovisiert

Einig ist man sich über Humor und Ernsthaftigkeit von beiden. Dörte Lyssewski betont, dass Gosch das Komische "sehr ernst" nehme, und Wolfgang Michael zitiert Becketts Ausspruch: "Nichts ist komischer als das Unglück". Charly Hübner hingegen, der kurz zuvor auf der Bühne auch blutüberströmt noch zum Lachen reizte, bringt das Gespräch in ein anderes Fahrwasser. Er kenne Schimmelpfennig gut, es gehe ihm weder ums Elegische, noch ums Komische, sondern um den konkreten Vorgang, wie zum Beispiel um Männer, die mit extrem schweren Schwertern kämpfen. Interessant. Und zwischen den etwas abgenudelten Begriffen von Archaik und Musikalität, die auch immer wieder fallen, erfrischend materiell.

Dass etwas auf den Text draufimprovisiert sein könnte, wie Jörder provokativ zuspitzt, verneinen die Schauspieler rigoros. Yohanna Schwertfeger bekräftigt, Gosch habe die Schauspieler immer wieder auf den Text zurückgeworfen. Dies zeige sowohl die Textgenauigkeit von Gosch als auch, dass der Text nicht beliebig sei. Ein Zuschauer pflichtet bei, ein Stück sei "immer so gut wie seine beste Inszenierung". Überhaupt zeigt sich das Publikum insgesamt höchst angetan und ergänzt die Ausführungen der Schauspieler mit der eigenen Wahrnehmung des Abends. Schnell verstummt der einzige Kritiker dieses Abends, der dafür plädierte, Gosch statt Schimmelpfennig den Preis zu geben (falls Schimmelpfennig bei seinem sechsten Anlauf in Mülheim denn Erfolg habe).

Die Lebendigkeit der alten Genres

Auf Jörders anfängliche Frage hin, was dieses Stück Schimmelpfennigs von seinen anderen unterscheide, beschreibt es Lyssewski als ein großes Gedicht über Natur, Scheitern, Liebe und Hass, das sie in Mark und Bein berühre. Das trifft sich mit den Empfindungen einer Zuschauerin. Das "Hier und Jetzt" habe sie während der Vorstellung durch lebendige Menschen erfahren und nehme nun ein reiches Erlebnis mit nach Hause. Eine andere Zuschauerin erkennt begeistert tiefgehende Kulturzitate, Bezüge auf Thomas Mann und Hartmann von Aue, Renaissance und Romantik.

Märchen, Volkslied und Mythos, auch die Genres mit denen Jörder das Stück beschreibt, sind hinlänglich vertraut, aber die Mischung scheint es zu machen. Der Wechsel der Zeitebenen, der Sprung zwischen Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit, der von Hübner und Lyssewski als das markant Neue des Textes genannt wird, spielt für das Hier und Jetzt der Zuschauer eine untergeordnete Rolle. Für sie ist es an diesem Abend weniger wesentlich, wohin gesprungen wurde, als vielmehr wie kraftvoll.

Mehr zu Roland Schimmelpfennig. Lesen Sie außerdem den shorty zum Mülheim-Gastspiel.

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