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Was soll das, "I thelen"? Das tut nichts zur Sache. Intere
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liebe sabine. du bist doch gar keine sabine. du bist doch
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Das sind doch bedenkenswerte Argumente von Claus Peymann,
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mäandern in Jelineks preigekröntem Stück "Rechnitz". Wie a

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Publikumsgespräch zu Ulrike Syhas "Privatleben"

Von der Apokalypse zur Wellness-Komödie

von Dorothea Marcus

19. Mai 2009. "Wie fühlen Sie sich?", eröffnet Moderator Gerhard Jörder sein Publikumsgespräch. Eine Frage wie beim Sportfernsehen, aber an Ulrike Syha wird sie nicht von ungefähr gestellt. 2003, als die heute 33-jährige Autorin schon einmal zu den Theatertagen eingeladen war, erging es ihr eher schlecht. Ihr damaliges Stück "Nomaden", uraufgeführt vom Landestheater Tübingen, fiel in Mülheim brutal durch. Die anschließende Publikumsdiskussion hat die Autorin "postdramatisch ausgeblendet" aus ihrem Lebensweg, sonst "hätte ich aufgehört zu schreiben".

Von dem "Trauma" sprach sie trotzdem noch unlängst in einem Interview; eine regelrechte Schreibblockade habe sie gehabt, "das hat mich eine Weile beschäftigt". "Ich habe die Aufführung damals als Desaster empfunden", sagt auch ein Zuschauer – obwohl, wie er einwendet, nicht klar war, ob das Scheitern nun am düsteren Stück oder an der missglückten Inszenierung lag. Eine in Mülheim ohnehin sehr häufig diskutierte Frage: Rettet die Inszenierung das Stück, oder schadet sie ihm? In jedem Falle birgt die Einladung zum größten deutschen Dramatikerfestival auch Risiken.

Schubumkehr zum Erfolg

Heute Abend aber, nachdem das Theater Chemnitz mit ihrem Stück "Privatleben" in Mülheim auftrat, fühlt sich Ulrike Syha sehr gut. Nicht nur, dass sie inzwischen elf Dramen  geschrieben hat und mit Stückaufträgen, Stipendien und Nachspiel-Anfragen gut ausgestattet ist ("Privatleben" wird bald in Trier und Ljubljana inszeniert). Kommende Spielzeit ist sie Hausautorin am Nationaltheater Mannheim, gerade kam "China Shipping" in Tübingen auf die Bühne. Überaus zufrieden ist Syha mit der Chemnitzer Inszenierung von Dieter Boyer und "jedem einzelnen Schauspieler". Als Auftragswerk war "Privatleben" vom Theater eigentlich als eine Art Chemnitz-Stück angedacht, erläutert die Dramaturgin Esther Holland-Merten: Was passiert mit einer Stadt, die sich entvölkert, aus der die jungen Menschen wegziehen, in der leere Flächen und Häuser gähnen?

Syha (gebürtige Wiesbadenerin) hat aus dieser Vorgabe eine Art verschachtelte Beziehungskomödie gemacht, die gleichzeitig eine Gesellschaftsanalyse ist über die Beziehungsunfähigkeit des heutigen, emotional ermüdeten Wohlstandsmenschen. Die leeren Landschaften, die darin zuweilen beschrieben werden, stehen in starkem Gegensatz zu den wortreich plappernden Protagonisten. Eine ganze Passage über ein leeres Land im Schweigen ist vom Regisseur gestrichen worden, das Stück zeigt sich deutlich aufgehellt. "Wenn ich weiß, dass die Grundidee verstanden ist, hänge ich nicht an jedem Wort", sagt Syha. Ohnehin war Dieter Boyer früh in die Stückerarbeitung einbezogen worden, denn Syha setzt auf kontinuierliche Arbeitsbeziehungen und einen engen Kontakt zu den Theaterleuten.

Auf die Nomaden folgen die Piraten

Was hat sich geändert bei der "neuen" Ulrike Syha, fragt Gerhard Jörder, zwischen einem apokalyptischen Amoklauf wie "Nomaden" und dem eher heiteren Beziehungsstück "Privatleben" mit seinem vorsichtigen Happy-End? "Vielleicht wollte ich beweisen, dass ich spielbare Wellmade-Plays schreiben kann", erwidert Ulrike Syha und will dabei keineswegs ausschließen, dass sie auf den Weg der "Nomaden" zurückkehrt. Dennoch denkt sie momentan auch noch weiter in Richtung Komödien. Für Chemnitz hat sie bereits wieder einen Stückauftrag. Den dortigen neuen Oberspielleiter Enrico Lübbe kennt sie noch aus ihrer Zeit als Regieassistentin am Schauspiel Leipzig. "Es wird formal eine Weiterentwicklung von 'Privatleben'", sagt sie, und handle von einem von Piraten gekaperten Tanker und der Globalisierung. Da darf man auf den Zusammenhang mit der Wohlstands-Wellness-Gesellschaftsanalyse gespannt sein.

Mehr zu Ulrike Syha. Lesen Sie auch unseren shorty zum Mülheim-Gastspiel.

 

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